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Infomail zum persönlichen Budget

Hallo Zusammen!

Wieder ein herzliches Dankeschön an alle, die sich auf meine letzte Mail gemeldet haben. Das Thema brennt wirklich bei Vielen.

Danke auch für die zahlreichen Fragen. Einige davon beantworte ich hier auch offen, da sie für viele von Interesse sein könnten.

Auf Rückmeldungen, Erfahrungsberichte und weitere Fragen bin ich gespannt und freue mich schon darauf.

Lieben Gruß

Sabine Göbber

Diplom-Sozialpädagogin

Krankenschwester

Interessenverband Contergangeschädigter

Nordrhein-Westfalen e.V.

Hilfswerk für vorgeburtlich Geschädigte

Peer- to-Peer-Beratungsangebot

Mobil:  +49 171-3080816

Tel.:        +49 2428-9021470

Fax:        +49 2428-9021480

Mail:       s.goebber@contergan-nrw-peer-to-peer.eu

Fragen zum Persönlichen Budget/ Persönliche Assistenz

Ich bin Beamter im Ruhestand. Hast du schon Erfahrungen gemacht, wie die Zuständigkeiten in meinem Fall wären?

Die persönliche Assistenz, das persönliche Budget ist eine Sozialrechtliche Leistung. Sie kommt für alle Menschen mit Behinderung in Betracht.

Zuständig für die Bearbeitung sind in NRW die Landschaftsverbände Westfalen- Lippe und Rheinland.

Da contergangeschädigte Menschen laut § 18 Conterganstiftungsgesetz keinerlei Angaben zu Einkommen und Vermögen machen müssen, entfällt die Eigenbeteiligung.

Das Budget wird in der Regel Trägerübergreifend getragen, d.h. meist sind die Landschaftsverbände und die Pflegekassen beteiligt. D.h eventuelles Pflegegeld wird zum Teil miteingerechnet.

Bislang habe ich Erfahrung mit „aktiven“ Beamten, allerdings sind die meisten der nicht verbeamteten Budgetnehmer berentet.

Wie verträgt sich die persönliche Assistenz mit dem Bedürfnis nach Privatsphäre?

Das ist immer ein spannendes Thema, da die Balance zu finden. Auf dem letzten Pflege- und Assistenztag war das auch ein großes Gesprächsthema.

Deshalb ist die Auswahl der Assistenten wichtig, die Chemie muss stimmen. Es gilt klare Absprachen zu treffen. Es ist wichtig, sich abzugrenzen. Manchmal ist das nicht so leicht. Du bestimmst, wann und wie lange sie um dich ist. In welche Bereiche sie darf, wann sie sich zurückzuziehen hat.

Wenn man das erste Mal Assistenz hat, empfiehlt es sich, mit wenigen Stunden anzufangen. Vielleicht in einem noch nicht so intimen Bereich, z.B. anfangs nur etwas Unterstützung im Haushalt, oder Begleitung beim Einkauf. Sich langsam rantasten.

Und immer wieder miteinander reden.

Wichtig, gerade bei einer sehr hohen Assistenzzeit am Tag, auch wenn die Person 24 Stunden am Tag anwesend ist, heißt das nicht, das sie einen Hotelservice, was Verpflegung, Duschen, etc. erwarten darf. Sie kommt zur Arbeit und dort wird man in der Regel nicht rundum verpflegt und versorgt. Wieder gilt, miteinander sprechen reden ist wichtig.

Eventuell ist es hilfreich schriftlich festzuhalten, was von der Assistenz erwartet wird.

`Goes´ und `No Goes´ festhalten.

 

Wird die Bewilligung immer für einen bestimmten Zeitraum erteilt?

Ja, üblich ist ein Jahr. Dann kann man einen Folgeantrag stellen, der in der Regel weniger aufwändig ist als der Erstantrag.

Finden in regelmäßigen Abständen (z.B. alle 6 Monate) Hilfeplankonferenzen und Überprüfungen des MDK statt?

Die Hilfeplankonferenz findet bei der Erstbewilligung auf jeden Fall statt. Wird der Folgeantrag gestellt, hast Du zwar grundsätzlich ein Anrecht auf eine Hilfeplankonferenz (HPK), oftmals findet dann aber meist nur ein Hausbesuch statt. Ich habe auch schon mitbekommen, dass der Folgeantrag ohne HPK oder Hausbesuch bewilligt wurde. Selbst ein Erhöhungsantrag wurde ohne Probleme bewilligt.

Innerhalb des Bewilligungszeitraumes finden in der Regel keine Überprüfungen statt, es sei denn, die regelmässigen Abrechnungen gäben dazu Anlass.

Beim Erstantrag wird, wie erwähnt, der Pflegegrad abgefragt. Je nachdem wie lange die letzte Begutachtung zurückliegt, muss eine Überprüfung beantragt werden.

Die Landschaftsverbände haben eigene Mitarbeiter aus dem Pflegebereich, die natürlich sehr genau erfragen, inwieweit die Assistenzstunden, die so gut wie immer auch einen pflegerischen Aspekt beinhalten, vom Landschaftsverband  übernommen werden, soweit sie die Leistungen der Pflegekasse übersteigen, oder ob nicht evtl sogar die Krankenkassen Leistungen erbringen müssen.

Überprüfungen durch den MDK erfolgen im Zusammenhang mit dem persönlichen Budget nicht.

Was in regelmäßigen Abständen erfolgen muss, ist die Abrechnung der geleisteten Stunden mit den Leistungsträgern.

(Nur der guten Ordnung halber: Die Begriffe Hilfeplan und Hilfeplankonferenz werden zwar von allen Beteiligten noch so genannt, laut Gesetzestext heißt es Teilhabeplan und Teilhabeplankonferenz. Sagt aber keiner.)

Könnt Ihr als Mitarbeiter vom Interessenverband NRW auch contergangeschäftigte Menschen außerhalb von Nordrhein – Westfalen unterstützen?

             

Unterstützen auf jeden Fall, nur mit dem zuhause besuchen wird es schwierig. Wir versuchen, vieles im Telefonat mit Euch zu besprechen. Oftmals nutzen wir auch so coole Sachen wie skypen oder andere Internetmöglichkeiten. Das ist allerdings nicht für jeden etwas.
Manche von Euch kommen nach NRW ins ambulante Behandlungszentrum nach Nümbrecht. Die Zeit wird oftmals für ein persönliches Kennenlernen genutzt.

Was wir auf alle Fälle versuchen, in Eurer Nähe einen sogenannten Peer-Supporter zu finden. Also einen contergangeschädigten Menschen in Eurer Nähe, der vielleicht schon Erfahrung im Bereich Assistenz oder Pflegebegutachtung hat, oder einfach nur bereit ist, jemand anders zu unterstützen. So dass keiner allein ist.

Auf Wunsch stellen wir den Kontakt zu Beratungsstellen in Wohnortnähe her oder übernehmen Telefonate mit Krankenkassen und sonstigen Leistungsträgern.

Für die Peer- Supporter ist Christoph Soppa zuständig. Wenn ihr da Bedarf habt, oder vielleicht sogar selbst Supporter werden wollt, wendet Euch bitte direkt an ihn.

Kontakt Christoph Soppa: c.soppa@contergan-nrw-peer-to-peer.eu
+49 0151-16763122

Infomail zum Persönlichen Budget

Hallo Zusammen,

bevor ich Euch wieder einiges, hoffentlich Interessantes über persönliche Assistenz und Budget mitteile, möchte ich doch gern schreiben, wer ich eigentlich bin.

Also, ich bin Sabine Göbber. Ich bin Sozialpädagogin/ Sozialarbeiterin und Krankenschwester. Seit 2017 bin ich im Verband beschäftigt. Seitdem beschäftige ich mit dem spannenden Thema Persönliche Assistenz und persönliches Budget. Aber auch alles andere, was irgendwie mit Anträgen, Rente, Reha und so weiter zu tun hat, ist bei  mir genau richtig aufgehoben.

Ich hoffe, das ich mit der Anrede „ DU“ niemanden zu nahe trete, doch im Verband ist die Atmosphäre so, dass wir in den einzelnen Kontakte meist doch beim  „Du“ landen.

Ich freue mich auf den Austausch mit Euch!

Lieben Gruß Sabine

Wieder mitten im Leben – Assistenz kann vieles möglich machen… und leichter

„Endlich kann ich wieder mehr dabei sein im Leben und meine Kraft für die Dinge einsetzen, die mir wirklich Spaß machen, statt sie mit mühsamen Alltagstätigkeiten zu verschwenden, die mich nur Kraft kosten.“  Einen solchen oder ähnlichen Satz habe ich schon oft gehört von Menschen mit Conterganschädigung, die sich nach langem Überlegen für eine Assistenz entschieden haben.

Für mich als Fachberaterin ist es immer wieder eine große Freude, einen solchen Entscheidungsprozess zu begleiten und zu unterstützen.

Ja, so eine Assistenz ist mit dabei. Sie begleitet z. B. zum Einkauf, hilft den Garten wieder fit zu bekommen, geht mit zum Shoppen, ins Kino oder einfach auch mit spazieren. Sie kocht den Kaffee und je nachdem, hilft sie beim Duschen und auch beim Schminken.

Ein Assistenznehmer erzählte begeistert, dass er endlich wieder schwimmen gehen mag, weil da jemand ist, der einem aus den nassen Sachen raushilft. Und wie toll es ist, nicht jeden Morgen auf den Pflegedienst warten zu müssen, ohne eine Ahnung zu haben, wer da wohl gleich auftaucht.

Genial auch: selbst in den Urlaub fährt sie mit.

Und das Beste, man kann unterschiedliche Assistenten haben, eine für den Haushalt und eine, die z.B.  mit einem zusammen die fernbedienbaren Autos repariert und fahren lässt, also eine Assistenz für die Freizeit.

Doch, bei aller Begeisterung, am Anfang stehen viele Fragen und Zweifel.

Fragen wie, ich habe bisher ganz allein mit meinem Partner alles geschafft, geregelt und vor allem allein gelebt. Und jetzt soll da immer jemand mit dabei sein? Wo bleibt meine Privatsphäre? Ich will nicht immer jemanden dahaben. Und auch wirtschaftlich, wie wird denn so was finanziert?

Diese Fragen und Unsicherheiten beschäftigen die meisten anfangs.

Vielleicht ist es gut, nicht gleich in die Vollen zu steigen, sondern zunächst nur jemanden, z.B. zum Helfen im Haushalt da zu haben. Auszuprobieren wie es ist, wenn jemand die Bügelwäsche macht und das Treppenhaus wischt. Und dann langsam steigern, z.B. mit einer Begleitung beim Einkauf.

Und vorallem, auch wenn bei der Antragstellung eine recht hohe Stundenzahl bewilligt werden sollte, heißt das nicht, das auch alle Stunden von Anfang an abgerufen werden müssen. Denn schließlich bleibt man der Herr bzw. die Frau im Haus und entscheidet selbst, wer wann und wie oft kommen darf.

Vielleicht mag Folgendes Mut machen, es doch mit einer Assistenz zu wagen.

Ich habe einen Menschen, der seit ca. einem Jahr mehrere Assistenten/ Assistentinnen beschäftigt, gefragt, ob er mir sagen kann, was sich seitdem für ihn verändert hat.

„Aber sicher, klar kann ich Dir das sagen. Weißt du, der Alltagsdruck ist weg. Der Druck alles selbst schaffen zu müssen, den Einkauf, das Putzen, die Wäsche. Ich bin da jetzt völlig entspannt. Entweder, sie (die Assistenz) macht es allein, oder wenn ich kann, helfe ich mit. Doch der Druck ist raus.

Mein Tag, meine Woche haben jetzt auch wieder ne richtige Struktur. Ich weiß, da kommt jemand zu Zeiten, die wir ausgemacht haben. Und dann ist das so. Ein Problem weniger ist auch die Sache mit der Körperpflege. Mensch, das geht ja nun wirklich ins Intime. Doch mit der festen Assistenz kann ich mich darauf einlassen, ist es nicht mehr peinlich und unangenehm.

Ich werde auch ruhiger, weil ich nicht mehr vor meiner Einsamkeit, meinen trüben Gedanken wegrennen muss. Weil, da kommen ja Menschen, Personen, da entwickelt sich ja auch was. Man plaudert, trinkt `nen Kaffee. Die Einsamkeit wird weniger.

Was auch genial ist, ich bin ja beim Einkaufen zum Beispiel echt wählerisch. Und dann will ich den obersten Apfel aus dem Obstregal. Da brauch ich jetzt auch keinen mehr im Geschäft suchen. Da kann ich einfach der C. sagen, guck mal den da ganz oben, den 3. von rechts, den hätte ich gern. Ist doch herrlich.“

Soweit erstmal für heute.  Ich würde mich freuen, wenn diejenigen von Euch, die schon Erfahrungen mit Assistenz haben, mir erzählen, was sich für Sie verändert hat. Vielleicht gibt es ja weitere Mutmacher – Geschichten…

Gern mag ich auch in einem persönlichen Gespräch Mut machen, sich mit dem Thema Assistenz auseinanderzusetzen. Und gemeinsam Antworten auf die vielen Fragen rundum Assistenz und Budget zu finden.

Ich freue mich auf den Austausch mit Euch!

Liebe Grüße

Sabine Göbber

Diplom-Sozialpädagogin

Krankenschwester

Interessenverband Contergangeschädigter

Nordrhein-Westfalen e.V.

Hilfswerk für vorgeburtlich Geschädigte

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Fax:        +49 2428-9021480

Mail:       s.goebber@contergan-nrw-peer-to-peer.eu

www.contergan-nrw.eu